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Grosso-Jahrestagung in Baden-Baden eröffnet - Pressevertrieb vor größtem Umbau seit der Nachkriegszeit - Appelle an die Politik




Die fundamentalen Umwälzungen in Gesellschaft und Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Printmedien prägten den Auftakt des diesjährigen Jahreskongresses des Bundesverbands Presse-Grosso e.V. (BVPG) am 11./12. September in Baden-Baden. Dass sich auch das Presse-Grosso diesen Veränderungen nicht entziehen kann, machte Frank Nolte, Erster Vorsitzender des BVPG, in seinem einleitenden Vortrag deutlich. „De-mographischer und sozialer Wandel sowie fortschreitende Digitalisierung verändern die Art wie wir leben, arbeiten, konsumieren und uns informieren. Dieser Wandel vollzieht sich sehr schnell und immer rasanter.“ ´Grossisten spüren ihn bereits durch strukturell sinkende Auflagen und schrumpfende Umsätze im Vertrieb. Deshalb sieht sich der BVPG nun veranlasst, den „größten Umbau in der Geschichte des Pressevertriebs der Nachkriegszeit“ einzuleiten, wie Nolte betonte. „Im Zentrum unserer Agenda steht ein Dreiklang aus Konsolidierung im Kerngeschäft, Ausbau der Zusammenarbeit mit unseren Top-Kunden sowie Wachstum in neuen Geschäftsfeldern.“ Ziel des Verbands ist es, dass durch Zusammenschlüsse deutlich robustere Pressegroßhändler entstehen, die Synergien in skalierbaren Funktionsbereichen heben sowie betriebliche und logistische Abläufe optimieren. „Wir bündeln unsere Kräfte in deutlich größeren Einheiten mit durchschnittlich etwa 100 Millionen Euro oder mehr Umsatz“, berichtete Nolte. Durch die erhöhte Reichweite, die schlankeren Strukturen und die zusätzlichen Standards böten sich Pressegrossisten nun die Chance, in neuen Geschäftsfeldern Fuß zu fassen, so Nolte. Der BVPG-Vorsitzende lobte auch die neue Konditionenvereinbarung mit den Verlagen, die die Branche in einen „kooperativen Arbeitsmodus“ versetzt habe und im Markt reibungslos umgesetzt worden sei. Seit März spürten die Grossisten die Spannendifferenz zugunsten Verlage allerdings in ihrer Kasse, so Nolte. Die getroffene Mindestumsatzregel entfaltet unterdessen die gewünschte Wirkung. Sie führte bei Titeln mit sehr niedrigen Copypreisen bereits zu ersten Preisreaktionen und kann damit wieder zu mehr Regalplatz führen. Dass sich der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage wegen der Konditionenvereinbarung an das Kartellamt gewendet hat, bewertete Nolte gelassen. „Wir halten die getroffene Ver-einbarung für definitiv diskrimierungsfrei und werden dem Kartellamt in den nächsten Wo-chen aufgeschlossen für jedwede Auskünfte und Erläuterungen zur Verfügung stehen.“ Von der Politik wünschte sich Nolte eine Reduzierung des ermäßigten Mehrwertsteuer-satzes und lud die Verlegerverbände ein, gemeinsam mit dem Presse-Grosso für eine Förderung der Printmedien zu werben, denn, so Nolte: „Unsere Branche ist systemrele-vant für die geistige Grundversorgung.“ Philipp Welte, Vizepräsident und ¬Vorstand des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), lobte die Konsolidierungsbemühungen des Grosso. Dass dieser seine Kräfte bündele, um Investitionen in Technologie zu ermöglichen und schlagkräftige Einheiten zu bilden, sei wichtig. „Hut ab vor dem Mut der Grossisten!“, rief Welte aus. „Sie sind auf dem Weg in die Zukunft.“ Für die Verlage gelte das hingegen nicht. „Wir stehen viel zu oft gegeneinander, statt uns zu vereinen“, kritisierte Welte. „Um das Pressevertriebssystem in eine erfolgreiche und stabile Zukunft zu führen, müssen wir den Weg genauso gehen wie die Grossisten.“ Welte beschwor auch die Partnerschaft mit dem Grosso, um das Fundament des gesellschaftlichen Pluralismus zu erhalten. Ebendieses sei bedroht, weil die tradierte Werteordnung des Westens zerfalle und die Pressefreiheit durch Demokratiegegner unter Druck gerate. Welte zeigte sich in angesichts dessen „im hohen Maße alarmiert“ und sprach von einer „keimenden Bedrohung für unsere Industrie“. Moritz Freiherr Knigge verdeutlichte in seinem Vortrag die Vorzüge wertschätzender Kommunikation für Unternehmen. Der Nachfahre des berühmten Adolph Freiherr Knigge zitierte Untersuchungen, wonach die deutsche Wirtschaft pro Jahr 105 Mrd. Euro verliert, weil Menschen schlecht miteinander umgehen. Gleichzeitig wünschten sich neun von zehn Deutschen mehr Höflichkeit im Alltag. Damit sich daran etwas ändert, sollten die Menschen aufhören, mit dem Finger auf das Fehlverhalten anderer zu zeigen und sich selbst einen Heiligenschein aufzusetzen. Stattdessen riet Knigge jedem, sich an die eige-ne Nase zu fassen. „Aktivieren Sie sich selbst, damit Ihr Umfeld Sie als angenehmen Menschen wahrnimmt.“ Knigge nannte es das „Ich-Mensch-zu-Mensch-Spiel“ und zeigte sich überzeugt davon, dass Menschen sich selbst ändern können, es ihnen aber meist nicht gelingt, andere zu ändern. Zudem riet er jedem zu wohlwollender Kommunikation. Es gelte auch dann gelassen zu bleiben, wenn andere unhöflich sind. Zudem sollte man sich selbst im Griff haben und tunlichst nicht aus der Haut fahren. „Der Top-Feind der Höflichkeit ist die Wut“, so Knigge. Dass Deutschland dringend mehr Leseförderung braucht, wurde im Vortrag von Dr. Jörg F. Maas deutlich. Wie der Geschäftsführer der Stiftung Lesen ausführte, gibt es hierzu-lande rund 7,5 Millionen funktionelle Analphabeten und rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche können nicht richtig lesen und schreiben, was sich negativ auf ihre spätere berufliche Laufbahn auswirkt. Um diesem Negativtrend entgegen zu wirken, engagiert sich die Stiftung seit 30 Jahren in der Leseförderung und hat dabei auch Projekte realisiert, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. So verteilt sie beispielsweise Bücher an Kunden, die bei McDonald’s die so genannten „Happy Meals“ ordern und hat zusammen mit RTL 164 Prominente als Lesebotschafter gewonnen, die Kindern auf Büchern vortragen und sie so zum Lesen animieren. Die Stiftung will mit all ihren Aktionen aber auch Eltern aus bildungsferneren Schichten ansprechen, damit auch sie ihrem Nachwuchs regelmäßig etwas vorlesen. „Alles beginnt mit der frühkindlichen Leseförderung“, hob Maas hervor.

Freitag, 14. September 2018

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