|
|
|
Wesentlicher Schritt für Stabilität des deutschen Pressevertriebssystems |
|
|
|
Köln, 17. September 2012. Der Bundesverband Presse-Grosso (BVPG) sieht in der erklärten Absicht aller Fraktionen im Deutschen Bundestag, nunmehr eine gesetzliche Sicherung des Pressevertriebssystems in Gang zu setzen, einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zu einer dauerhaften, stabilen Lösung. „Ich begrüße ausdrücklich die klare Haltung und die feste Entschlossenheit der Politik, den Worten jetzt definitiv Taten folgen zu lassen“, erklärt Frank Nolte, 1. Vorsitzender des Verbandes, zu den Konsequenzen des dritten Runden Tisches zur Zukunft des Grosso-Systems. Das abschließende Sondierungsgespräch im Bundestag unter Leitung des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundeswirtschaftsminister, Hans-Joachim Otto, war am 13. September ohne eine Verständigung zwischen der Bauer Vertriebs KG einerseits und dem BVPG sowie allen übrigen Verlagen andererseits zu Ende gegangen.
Die zuständigen Berichterstatter der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und FDP hatten in der Folge mitgeteilt, sie würden nun einen gemeinsamen Änderungsantrag zur 8. GWB-Novelle einbringen. Dieser Schritt müsse zügig und bestimmt vollzogen werden. Durch die angestrebte legislative Regelung im Rahmen der laufenden 8. GWB-Novelle soll durch eine Ausnahme vom Kartellverbot die Möglichkeit der privatwirtschaftlichen Selbstregulierung in Form von Branchenvereinbarungen aufrechterhalten bleiben. In der angedachten milden gesetzlichen Fixierung sieht Nolte die realistische Chance, bestehende und drohende Gefährdungen für die Pressevielfalt und den freien Marktzutritt für alle Verlage zu verhindern.
Die Initiative der Politik ist nach Ansicht Noltes und der Verlegerverbände überdies ein wertvoller Beitrag, um Rechtssicherheit auf nationaler und EU-Ebene wieder herzustellen. Nolte wörtlich: „Wir haben jetzt Grund zur Hoffnung, dass unser auf Pluralität ausgerichtetes Grosso-System nicht in gerichtlichen Auseinandersetzungen zerrieben wird und wir wieder alle Energie darauf richten können, Strukturwandel und Modernisierung aktiv zu betreiben.“ Bei den Erörterungen im Rahmen des Runden Tisches hatte auch die Verlagsdelegation herausgestellt, um eine akute Gefährdung des Systems als „Errungenschaft der Zivilgesellschaft“ – wie Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer ZEIT-Verlag, formulierte – zu vermeiden, müsse nun gehandelt werden. Insbesondere kleine und mittlere Verlage hätten sonst das Nachsehen. Die Möglichkeit zentraler Branchen-vereinbarungen sei unerlässlich für die Balance des Systems und biete gleichwohl Raum für Weiterentwicklungen, denen sich der Grosso-Verband auch stelle.
Zu den Sondierungsgesprächen, deren Scheitern von den Vertretern der Politik bedauert wurde, stellt Nolte klar, der Verband habe sich im Rahmen von „drei atmosphärisch guten Gesprächen“ mit der Bauer Vertriebs-KG „substantiell“ bewegt. Er habe konstruktive Vorschläge für die Fortsetzung des Grosso-Konsolidierungskurses, neue Kriterien für eine zukünftige Handelsspannen-Struktur ab 2018 sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel zur Steigerung der Attraktivität des Presseverkaufs eingebracht. Dies, so Nolte, ist von den Vertretern der Bauer Vertriebs-KG auch ausdrücklich bestätigt worden. Ihre Vorstellungen seien dagegen für einen Verband freier Unternehmer unannehmbar gewesen, der auch die Interessen aller Verlage im Blick haben muss.
Nolte zufolge bedauert das Presse-Grosso ausdrücklich, dass eine einvernehmliche Klärung der strittigen Punkte mit der Bauer Vertriebs-KG nicht erreichbar gewesen ist. „Wir haben in jeder Gesprächsrunde und auch immer wieder öffentlich dargelegt, dass das hohe Gut einer freiwilligen Selbstregulierung der Marktpartner nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte“, betont der Verbandsvorsitzende. Hier sei eine „große Chance“ verspielt worden.
Hinsichtlich der Vorhaltungen gegen den Grosso-Verband in der Erklärung der Bauer Media Group, die unmittelbar nach dem Runden Tisch veröffentlicht wurde, erklärt Nolte: „Die Kritik am Reformwillen unserer Unternehmen und des Verbandes weise ich ganz entschieden zurück. Sie ist absolut unbegründet und lässt alle Teilnehmer des Runden Tisches ratlos zurück.“ Der Verband sei ausreichend von seinen Mitgliedern mandatiert und habe bis heute immer wieder bewiesen, verbindliche Vereinbarungen für die Branche treffen zu können. Es müsse sich jedoch um diskriminierungsfreie Branchenvereinbarungen handeln mit denen alle Beteiligten leben können und nicht nur ein einzelner Verlag.
Der Verbandsvorsitzende unterstreicht zudem die Kunden- und Marketingorientierung des Pressegroßhandels. Das Grosso habe gerade erst bei seiner Jahresversammlung in Baden-Baden öffentlich überzeugend und nachvollziehbar dokumentiert, „mit welcher Vehemenz wir unsere Strategie der Qualitäts- und Effizienzsteigerung betreiben und mit welcher Entschiedenheit wir den notwendigen Strukturwandel nicht zuletzt im Interesse der Verlage auch in Richtung Einzelhandelsmarketing offensiv angehen“. Der Pressegroßhandel habe eine exzellente Großkundenbetreuung aufgebaut und fördere auch den selbstständigen Pressefachhandel. Zur Untermauerung verweist Nolte exemplarisch auf zentrale Erkenntnisse der jüngsten Kundenbefragungen zur Zufriedenheit mit dem Presse-Grosso im presseführenden Einzelhandel („EH-Echo“) des Marktforschungsinstituts ac research Aachen. Danach erbringt das Grosso gute Dispositions- und Logistikleitungen, zeichnet es sich durch hohe Serviceorientierung aus. „Solche Attribute sprechen für sich“, so Nolte.
Montag, 17. September 2012
<- Zurück zu: News-Archiv
|
|
|
|
|