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Presse-Grosso weiterhin stärkster Vertriebskanal für Printmedien




Frank Nolte, der 1. Vorsitzende des Bundesverbandes Presse-Grosso, hat die Rolle des Pressegroßhandels als „weiterhin stärkster Vertriebskanal für Printmedien“ betont. Beim Jahreskongress des BVPG sagte Nolte am 15./16.9.2015 in Baden-Baden, im ersten Halbjahr 2015 seien 920 Millionen Zeitungen und Zeitschriften im Grosso-belieferten Presseeinzelhandel verkauft worden. Noch nie sei der „Blätterwald am Kiosk“ so bunt und ausdifferenziert wie heute gewesen. Jedes Jahr kämen über 800 Neuerscheinungen in den Mark, „dank unseres einmaligen Pressevertriebssystems“.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht lässt sich Nolte zufolge insgesamt eine leichte Beruhigung am Pressemarkt fest. „Noch keine Trendwende, aber immerhin“ wie er unterstrich. Durch diverse Preiserhöhungen sei der Umsatzrückgang im Kerngeschäft nun erstmalig seit Jahren deutlich abgeflaut. „Für viele Verlage“, erklärte der Verbandsvorsitzende, „werden die Erlöse aus dem Vertrieb immer wichtiger, da die Monetarisierung digitaler Inhalte nach wie vor schwierig ist und zugleich die Anzeigenerlöse teils deutlich zurückgehen.“

Nolte forderte zwischen den Vertriebskanälen einen „fairen Wettbewerb“ ein. Für das Presse-Grosso werde der Wettbewerb mit den Marktbeteiligten wie Abonnement oder Digitalplattformen intensiver. Dazu trügen auch „aggressive bis unsportliche“ Preismodelle bei. Gratisangebote im Netz oder erhebliche Preisnachlässe im Abonnement seien für den stationären Pressehandel höchst demotivierend.

Helmut Heinen, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), sagte, für die Zeitungen werde die Bedeutung des Vertriebs in absehbarer Zukunft noch zunehmen. Vermutlich würden die Erlöse im Werbemarkt weiter zurückgehen. „Daher wird der Stellenwert der Vertriebsarbeit bei steigenden Kosten für die Verlage und härter werdendem Wettbewerb noch steigen“, betonte er. Zur Stabilisierung ihrer Position im Markt haben nach Heinens Worten etliche Regionalzeitungsverlage neue Printprodukte entwickelt und herausgebracht. „Die Verlage nutzen dabei ihre Stärke vor Ort“, betonte der BDZV-Präsident. Zurückhaltend äußerte er sich zu neuen „Inhalte-Aggregatoren“ wie Blendle oder Readly. Ein Teil der Zeitungsverlage scheue sich, Branchenfremden eigenen redaktionellen Content zu überlassen. Ein anderer wachsender Teil verspreche sich von diesen Plattformen Wachstumsimpulse. „Eine größer werdende Bevölkerungsgruppe scheint bald nicht mehr bereit zu sein, für ein komplettes Produkt zahlen zu wollen“, merkte er an.
Heinen sprach dem Presse-Grosso die Qualität zu, „effizienter und schlanker“ geworden zu sein. Er lobte die regelmäßigen Verkaufsförderungsaktionen des Pressegroßhandels für Zeitungen. Das Presse-Grosso könne „die Verlage fordern, sich engagiert an solchen Aktionen zu beteiligen“. Bei der Präsentation der Zeitungen am Point of Sale hätten die Verlage noch Wünsche, besser positioniert zu werden. Er sei zuversichtlich, dass die Verlage und die Presse-Grossisten dies gemeinsam konstruktiv angehen würden. Heinen erneuerte die grundsätzliche Haltung der Zeitungsverlage, das Grosso-System gemeinsam mit den Unternehmen erhalten zu wollen.

Der Spezialist für Cyberkriminalität und Internetsicherheit, Götz Schartner, informierte das Auditorium in einem mit großer Aufmerksamkeit begleiteten Fachvortrag über Risi-ken in den IT-Strukturen von Unternehmen und Privatpersonen sowie Strategien eines verlässlichen Risikomanagements. Schartner, Geschäftsführer 8com - Information Security, sensibilisierte die Vertriebsexperten an Hand von spektakulären Beispielen für die Notwendigkeit, Sicherheitslücken zu schließen. Einer seiner Appelle an die Unternehmen: „Sparen Sie nicht an Ihrem IT-Personal und der so eminent wichtigen Fortbildung.“

Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Think Tanks Centre for European Policy Studies, konstatierte, dass die Flüchtlinge alleine das Demografie- und Fachkräfteproblem nicht lösen könnten. Der Experte leuchtete in seinem Vortrag „Die Europäische Idee am Scheideweg? Herausforderungen und Perspektiven“ das Gestaltungspotential der EU auf dem Weg zu einer politischen Union der europäischen Staaten an Hand von drei aktuellen Krisen aus. Aus dem Konflikt in der Ukraine, der Euro-Krise in und mit Griechenland und der Flüchtlingsproblematik sei die Erkenntnis abzuleiten, dass es in all diesen Fällen keine europäische Lösung geben könne. „Europa muss sich engagieren, kann dabei aber nur den Rahmen setzen und diesen verbessern.“ Insbesondere die Flüchtlingsfrage zeige, dass die wesentlichen Entscheidungen jeweils auf nationaler Ebene fielen. Unter rein ökonomischen und soziodemographischen Vorzeichen sei die Problematik im Übrigen lösbar, stellte Gros fest. „Entscheidend ist die Frage der Identität der EU.“

Am Nachmittag beleuchtete eine muntere Podiumsdiskussion das Thema „25 Jahre freie Presse und freier Pressevertrieb in den neuen Bundesländern“. Die Medienjournalistin Ulrike Simon diskutierte mit Wolfgang Greiser, Geschäftsführer des Presse-vertriebs Greiser, Suhl; Sergej Lochthofen, Journalist und Buchautor; Klaus D. Schleiter, Geschäftsführer des Mosaik Steinchen für Steinchen Verlags, Berlin, sowie Burkhard Voges, Geschäftsführer des Voges Medien Kontors, und Jochen Wolff, früherer langjähriger Chefredakteur und Geschäftsführer der Superillu, Berlin.

Der Zeit-Verlag richtete den Business-Lunch aus und stellte Zeit Doctor vor. Das Magazin wird am 10. Dezember dieses Jahres erstmals als Beilage der Wochenzeitung DIE ZEIT erscheinen. Vertriebs- und Marketingleiter Nils von der Kall und Andreas Lebert, Chefredakteur von Zeit Wissen, erläuterten das Konzept des neuen Titels.

Freitag, 18. September 2015

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