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Experten und Praktiker brechen Lanze für Print - Grosso-Jahrestagung eröffnet


Giovanni di Lorenzo

Frank Nolte, Erster Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso (BVPG), hat beim Jahreskongress seines Verbands am 13./14. September 2016 in Baden-Baden, Handel und Verlage dazu aufgerufen, als „überzeugte Print-Botschafter nach innen und außen“ aufzutreten. „Dann können wir auch unsere Kunden und Mitarbeiter motivieren zum aktiven Verkaufen mit Leidenschaft“, sagte der BVPG-Vorsitzende. Dank eines „einmaligen Pressevertriebssystems“ könnten die Deutschen aus einem reichhaltigen Presseangebot auswählen, jedes Jahr drängten über 800 neue Titel auf den Markt. Dennoch würden die Debatten zu oft von digitalen Medienangeboten und -kanälen bestimmt. „Die Erträge kommen jedoch weiterhin im Wesentlichen aus dem klassischen Printvertrieb.“ Nolte forderte seine Zuhörer dazu auf, „dieses Geschäft zu hegen und zu pflegen und Zuversicht zu verbreiten“.

Der Umsatz der Presse gehe nicht mehr so stark zurück wie in der Vergangenheit, wenngleich es noch keine Trendwende gebe, sagte Nolte zu den wirtschaftlichen Perspektiven der Branche. Die „anhaltende Gründungsoffensive“ der Verlage widerlege aber die Ankündigungen vieler „selbst ernannter Propheten“, die den schnellen Niedergang von Print vorhersahen. „Die Bilanz der Tops und Flops bei Neueinführungen ist in Summe deutlich positiv“, so Nolte. „Der Handel braucht diese Frischzellenkur, damit das Sortiment in den Augen der Verbraucher lebendig bleibt.“ Vier Erfolgsgeschichten dokumentierten überdies, dass „noch etwas geht mit Print“: das deutlich wachsende Segment der Mindstyle- und Gelassenheitsmagazine, die Food-Zeitschriften, die Wohn- und Living-Magazine und die Landzeitschriften mit mittlerweile mehr als 20 Titeln.

Nolte plädierte dafür, auf die Herausforderungen des Pressemarkts mit einem Ausbau von Qualität und Leistungen zu reagieren: „Print braucht starke Produkte und einen starken Vertrieb.“ „Akuten Handlungsbedarf“ sieht der Vorsitzende des Grosso-Verbands im Umgang mit „Billigheimern, Me-too-Produkten und Titeln mit überhohen Remissionen“: „Sie fluten den Markt und dehnen die Grenzen unseres Systems.“

Stefan Grünewald, Psychologe und Managing-Partner des Marktforschungsinstituts Rheingold, leitete aus Studien seines Hauses Mediennutzungstrends ab, die gedruckte Zeitungen und Zeitschriften begünstigen. Viele Menschen seien orientierungslos und auf der Suche nach „Leitmedien“, um diese Orientierungslosigkeit zu kompensieren: „Zeitungen und Zeitschriften führen zur Realitätsverankerung“, sagte Grünewald. Er würdigte zudem die Rolle von Regionalzeitungen, die ihren Lesern „heimatliche Zuflucht böten“, aber zugleich „Tor zur Welt“ seien. Zeitschriften wie das Landmagazin „LandLust“ kombinierten zudem für ihre Leserinnen und Leser „heimatliche Entschleunigung“ mit einer „Anleitung zur Selbstwirksamkeit“. „Print und Digital werden miteinander verwachsen“, prophezeite Grünewald. Digital werde aber die „strukturierte Tiefe“ von Print nicht ersetzen.

Auch Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, forderte seine Zuhörer dazu auf, nicht auf die „üblichen Verdächtigen unter den Digital-Apologeten“ zu hören. Die „Zeit“ habe in den vergangenen Jahren ihren Anteil junger Leser halten können. „Die überwiegende Mehrheit unserer Leser will die Zeitung gedruckt haben, und zwar in alle Ewigkeit“, sagte di Lorenzo. Erfolgsgeheimnis der „Zeit“ sei das „beharrliche Arbeiten an vielen kleinen Veränderungen“: „Wir versuchen eine ständige Kulturrevolution – aber ohne jede Grausamkeit.“ Bereits die erste Ausgabe des neuen „ZEITmagazins Mann“ sei profitabel gewesen. „Das vermeintliche Naturgesetz, wonach kostenlose digitale Angebote alles platt machen, dürfen wir zumindest anzweifeln“, sagte der „Zeit“-Chefredakteur. Di Lorenzo beklagte allerdings, dass das Vertrauen der Bürger in die Medien stark gesunken sei, wozu auch ihr Hang zur Skandalisierung, zum Gleichklang und Konformismus beigetragen habe. Er forderte die Medien daher dazu auf, offen mit Fehlern umzugehen: „Fehler sind dumm, ärgerlich, aber unvermeidbar. Wer Fehler macht, sollte sich dazu bekennen.“ „Recherche und Fakten sind die neue Meinung“, sagte der „Zeit“-Chefredakteur weiter. Die Leser spüren, wenn eine Phrase nicht gedeckt ist.“

Im Gespräch mit Moderator Claus Strunz, Geschäftsführer TV- und Videoproduktionen Axel Springer SE, unterstrich Stephan Holthoff-Pförtner, Rechtsanwalt und Gesellschafter der Funke Mediengruppe, die Bedeutung des Presse-Grossos: „Das politische und juristische Privileg, das dem Grosso eingeräumt wird, ist klug und begründet. Es bietet die Chance, Pressevielfalt und -freiheit herzustellen. Niemand sollte es aus Eigennutz gefährden.“ Auch Holthoff-Pförtner bekannte sich zu Print: Die Funke Mediengruppe glaube an die Zukunft gedruckter Zeitungen und Zeitschriften. Sie böten Tiefe und Orientierung, während digitale Medien häufig nur „Fastfood“ lieferten: „Es hilft mir nichts, wenn ich alles als erster weiß, es aber nicht verstehe.“





Dienstag, 13. September 2016

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